Stoffkunde Wolle: Schurwolle, Merino, Reißwolle und Wollarten
Die Bezeichnung Wolle sagt noch nichts über die Qualität eines Stoffes aus. Wolle kann sehr unterschiedliche Herkunft, Feinheit und Verarbeitung haben. Entscheidend sind Materialangabe, Gewinnung, Schafrasse, Faserfeinheit, Webart, Gewicht, Griff und der geplante Einsatz.
Diese Stoffkunde erklärt wichtige Begriffe rund um Wolle, Schurwolle, reine Schurwolle, Merinowolle, Lammwolle, Reißwolle und weitere Wollarten. Sie hilft dabei, Materialangaben besser einzuordnen und Wollstoffe bewusster auszuwählen.
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Die Bezeichnung Wolle sagt noch nichts über die Qualität
Wolle steht laut Textilkennzeichnung für eine Faser vom Fell des Schafes oder für Mischungen mit den Haaren weiterer Tierarten. Über die Qualität der Wolle sagt dieser Begriff allein jedoch noch nichts aus.
Die Haare können unterschiedliche Herkunft haben, unterschiedlich fein sein und auf verschiedene Weise verarbeitet werden. Auch recycelte Altwolle, sogenannte Reißwolle, kann unter allgemeinen Wollbegriffen auftauchen.
Besteht ein Stoff ausschließlich aus Wolle von Schafen, können auf Etiketten Zusätze wie „100 %“, „rein“ oder „ganz“ verwendet werden, zum Beispiel „reine Wolle“. Für die tatsächliche Eignung eines Stoffes sind aber immer auch Webart, Gewicht, Griff, Dichte und Verarbeitung wichtig.
Übersicht: Wolle, Schurwolle und Reißwolle
Die folgenden Begriffe werden im Alltag oft vermischt. Für die Stoffwahl ist die Unterscheidung aber wichtig.
Kurzübersicht zu Wolle, Schurwolle und Reißwolle anzeigen
Wolle ist der allgemeine Begriff. Schurwolle und Reißwolle beschreiben genauer, woher die Faser stammt und wie sie gewonnen wurde.
Lammwolle, Merino und Co.
Hersteller verwenden in Produktbeschreibungen häufig Kombinationen mit dem Wort Wolle, um Herkunft, Feinheit oder Qualität deutlicher zu machen. Lammwolle, auch Lambswool oder Erstlingswolle, bezeichnet die erste Schur eines jungen Schafes.
Merinowolle stammt von Merinoschafen und ist für besonders feine Fasern bekannt. Crossbredwolle stammt von Schafzüchtungen mit mittlerem Faserdurchmesser. Cheviotwolle oder Grobwolle stammt von Schafen mit kräftigeren Fasern.
Wollarten kurz erklärt anzeigen
Merinowolle
Feine Wollfaser mit oft weicherem Griff. Je nach Stoffgewicht interessant für Kleidung, Gewandung, Röcke, Kleider oder feinere Wollstoffe.
Lammwolle
Erste Schur eines jungen Schafes. Die genaue Eignung hängt wie immer von Verarbeitung, Webart, Gewicht und Griff des Stoffes ab.
Crossbredwolle
Mittelfeine Wolle, die je nach Verarbeitung für Oberbekleidung oder textile Projekte interessant sein kann.
Grobwolle / Cheviot
Kräftigere Fasern mit rustikalerer Wirkung. Für direkten Hautkontakt meist weniger geeignet als feinere Wollqualitäten.
Was bedeutet Schurwolle?
Eine besondere Rolle spielt der Begriff Schurwolle. Schurwolle bezeichnet erstmals verarbeitete Wolle, die vom lebenden Schaf durch Schur gewonnen wurde.
„Reine Schurwolle“ bedeutet, dass die Faserangabe zu 100 % aus solchen Schurwollfasern besteht. Bei Textilmischungen kann der Begriff Schurwolle vorkommen, wenn die entsprechenden Kennzeichnungsregeln erfüllt sind und das Verhältnis der Fasern angegeben wird.
Für Kundinnen und Kunden ist die Unterscheidung wichtig, weil allgemeine Wolle, Schurwolle, Reißwolle und Mischungen nicht dasselbe bedeuten. Bei hochwertigen Wollstoffen, historischer Kleidung, Reenactment, LARP oder Uniformteilen lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Materialangabe.
Welche Tiere liefern Wolle?
Neben Schafen dürfen auch Haare weiterer Tierarten als Wolle beziehungsweise Tierhaar bezeichnet werden. Dazu gehören zum Beispiel Alpaka, Lama, Kamel, Kaschmirziege, Angoraziege für Mohairwolle, Angorakaninchen, Vikunja, Yak, Guanako, Biber und Fischotter.
Allein oder untereinander gemischt tragen diese Fasern oft den Namen des Tieres mit oder ohne den Zusatz Wolle oder Tierhaar, zum Beispiel Kaschmir oder Kaschmirwolle. Haare anderer Tiere können unter dem Begriff Tierhaar auf den Markt kommen, etwa Rosshaar.
Woher stammt Schafwolle?
Viele Menschen schätzen Kleidung aus Schafwolle wegen ihrer besonderen Eigenschaften: Wolle kann wärmen oder kühlen, Wasser und Schmutz bis zu einem gewissen Grad abweisen und unangenehme Gerüche binden.
Schafwolle kann je nach Herkunft und Schafrasse sehr unterschiedlich ausfallen. Die größten Produzenten von Schafwolle sind traditionell Länder mit großen Schafbeständen, etwa Australien und Neuseeland. Nach der Schur wird Rohwolle gereinigt und weiter verarbeitet.
Bei Merinowolle wird häufig auch über Tierwohl, Haltungsbedingungen und Mulesing gesprochen. Wenn Herkunft, Tierwohl oder genaue Verarbeitung für ein Projekt besonders wichtig sind, sollte vor dem Kauf gezielt nach den Angaben des jeweiligen Stoffes gefragt werden.
Warum gibt es verschiedene Bezeichnungen für Wolle vom Schaf?
Bei Schafwolle begegnen einem verschiedene Begriffe. Besonders wichtig sind Schurwolle, reine Schurwolle und Reißwolle. Schurwolle stammt vom lebenden Schaf und wird durch Schur gewonnen. Reißwolle ist dagegen ein Recyclingprodukt aus wiederverwendeten Textilien.
Daneben gibt es weitere Bezeichnungen: Wolle von Fellen geschlachteter Schafe wird Gerberwolle genannt, Wolle von natürlich verstorbenen Tieren Sterblingswolle. Solche Begriffe zeigen, dass „Wolle“ allein noch keine genaue Qualitäts- oder Herkunftsangabe ist.
Tabelle mit Wollbegriffen anzeigen
Begriff | Bedeutung | Wichtig für den Stoffkauf |
|---|---|---|
Wolle | Allgemeiner Oberbegriff für Wollfasern | Immer genaue Materialangabe prüfen |
Schurwolle | Neue Wolle vom lebenden Schaf | Wichtiger Qualitäts- und Herkunftshinweis |
Reine Schurwolle | 100 % Schurwollfasern | Besonders klare Materialangabe |
Reißwolle | Recyclingwolle aus Alttextilien | Nicht mit neuer Schurwolle gleichsetzen |
Gerberwolle | Wolle von Fellen geschlachteter Schafe | Andere Herkunft als Schurwolle |
Sterblingswolle | Wolle von natürlich verstorbenen Tieren | Spezielle Herkunftsbezeichnung |
Feine, mittelfeine und grobe Wolle
Neben der Gewinnung spielt auch die Schafrasse beziehungsweise die Faserfeinheit eine große Rolle. Grundsätzlich kann man zwischen feiner, mittelfeiner und grober Wolle unterscheiden.
Merinowolle gilt als besonders feine Wolle. Mittelfeine Wollen können von verschiedenen Schafrassen stammen und je nach Verarbeitung für Oberbekleidung oder Heimtextilien geeignet sein. Grobe Wolle stammt häufig von widerstandsfähigen Schafrassen und ist für direkten Hautkontakt meist weniger angenehm.
Für Stoffe als Meterware ist deshalb nicht nur der Name der Wolle wichtig, sondern auch der konkrete Griff, das Gewicht, die Webart und die geplante Verwendung.
Welche Wolle passt zu welchem Projekt?
Welche Wollqualität passt, hängt immer vom Projekt ab. Für einen Mantel oder Umhang ist meist eine andere Qualität sinnvoll als für ein Kleid, eine Tunika, einen Rock, eine Gugel, ein Uniformteil oder ein leichteres Kleidungsstück.
Orientierung nach Projekt anzeigen
Schurwolle für hochwertige Wollstoffe
Wenn neue Wolle, natürliche Materialwirkung und klare Materialangaben wichtig sind, ist Schurwolle ein zentraler Begriff.
Merinowolle für feinere Wollstoffe
Merinowolle kann je nach Webart und Gewicht für weichere, feinere oder beweglichere Wollstoffe interessant sein.
Loden und Tuchloden für Oberbekleidung
Dichte Wollstoffe, Tuch und Loden eignen sich besonders für Mäntel, Umhänge, Jacken und robuste Gewandungen.
Wollmusselin für leichte Lagen
Wollmusselin ist eine leichtere, beweglichere Qualität für Projekte, die nicht zu schwer oder massiv wirken sollen.
Weiterlesen und beraten lassen
Wenn Sie unsicher sind, welche Wollqualität zu Ihrem Projekt passt, helfen Materialangabe, Gewicht, Griff, Webart, gewünschter Fall und Pflegehinweise bei der Entscheidung. Für größere Projekte, historische Gewandung, Reenactment, LARP oder Uniformteile lohnt sich eine kurze Rückfrage vor dem Kauf.
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